Weiterbetrieb und Erweiterung der alten EEG-Photovoltaik-Anlage

Nach dem Start des Erneuerbare Energiegesetz (EEG) im Jahr 2000 stehen viele Betreiber von Photovoltaik-Anlagen heute vor der Entscheidung, was sie mit ihrer Anlage bzw. dem erzeugten Strom nach dem Auslauf des 20-jährigen EEG-Vertrags machen sollen. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie der Strom aus der eigenen PV-Anlage weiterhin genutzt werden kann:

  1. Sie können den Strom direkt in Ihrem Haushalt selbst nutzen, indem Sie beispielsweise vorhandene elektrische Geräte wie Waschmaschine, Wäschetrockner oder Herd während der Sonnenstunden einschalten.
  2. Es macht Sinn, den Strom in einem Stromspeicher wie einer Hausbatterie zu speichern und ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu nutzen. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Sie den Strom nicht direkt verbrauchen können oder wenn Sie überschüssigen Strom haben, der nicht direkt verbraucht werden kann. Beachten Sie beim Kauf, dass Hausbatterien mit 3-phasiger Notstromfunktion inzwischen Stand der Technik sind. Gerade vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Rohstoffpreise sollte die Hausbatterie nicht zu groß bemessen werden, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen. Für den Fall, dass größere Stromverbraucher hinzukommen, kann oft Batteriekapazität nachträglich, aber aufgrund des technischen Fortschritts zeitlich begrenzt, nachgerüstet werden. Beabsichtigen Sie mehr Strom-Autarkie für Ihr Haus, dann ist der Stromspeicher ein Muss.
  3. Sie können Verbraucher in ihrem Haus identifizieren, die derzeit noch mit konventionellen Brenn- oder Treibstoffen betrieben werden. Zur Reduzierung des Erdgas-, Holzpellets- oder Heizölverbrauchs bietet sich ein zusätzlicher Sonnenstrom-betriebener Elektroerhitzer zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung an. Sollten Sie bereits eine, meist südseitig ausgerichtete Solarthermieanlage nutzen, kann sich dieser aufgrund seiner schnellen Reaktionszeit bereits vormittags, bei diffusem Sonnenlicht sowie in den Übergangszeiten an sonnigen Tagen bereits ab Januar im Frühling und im Herbst lohnen.
  4. Was gibt es Bequemeres, als sein nächstes Auto mit dem selbst produzierten Strom aufzuladen? Beachten Sie, dass große elektrische Verbraucher wie E-Auto-Ladestation und Wärmepumpe nicht nur eine Erweiterung der PV-Anlage erfordern können, sondern auch beim Stromversorger gemeldet werden müssen. Eine gute Planung einer zusätzlichen PV-Anlage ist wichtig, aber kein Hexenwerk.
  5. Sie können den überschüssigen Strom, den Sie nicht selbst verbrauchen, weiterhin an Ihren Stromversorger zum festgelegten Jahresmarktwert verkaufen. Dazu benötigen Sie jedoch in der Regel seine Genehmigung und einen Stromzähler, der den Verbrauch und die Erzeugung mitzählt.
  6. Vermieter von Häusern mit PV-Anlagen könnten den erzeugten Strom in Form einer Warmmiete an Mieter oder im Rahmen des Mieterstrommodells weitergeben.

Um herauszufinden, welche Option am sinnvollsten für Sie ist, sollten Sie zunächst Ihren Stromverbrauch analysieren und abschätzen, wie viel Strom Sie selbst verbrauchen können und wie viel übrig bleibt. Anschließend können Sie entscheiden, ob Sie den Strom speichern oder verkaufen möchten. Meist ist es sinnvoll, eine Kombination aus Eigenverbrauch, Stromspeicherung und Rückverkauf an das Stromnetz zu wählen.
Noch zuallerletzt. Sofern keine gravierenden technischen Mängel an einer EEG-PV-Anlage vorliegen, ist deren Demontage die schlechteste Lösung. Die Umstellung auf Eigenverbrauch und das Stromkonsumverhalten ist sicherlich ein Paradigmenwechsel. Der Erlös errechnet sich vor allem aus dem Ersparten statt aus dem Verdienten. Die Umwelt und künftige Generationen gewinnen auf jeden Fall.

Energietipp des Monats

Folgende Anhaltswerte können bei der Planung für den Eigenverbrauch und zur Erweiterung einer PV-Anlage herangezogen werden:

  • Eine Person benötigt je nach Art und Größe des Haushalts mindestens 1000 kWh Strom im Jahr.
  • Für 1000 kWh pro Jahr wird eine PV-Anlagen-Leistung von ca. 1 kWp benötigt (Sonnenstrom im Akku speichern | Finanztip).
  • Die Speicherung der Energie von 1 kWp aus der PV-Anlage erfordert etwa 1 kWh Batteriekapazität (Stromspeicher als Ergänzung zur Photovoltaikanlage | Viessmann).
  • Eine Familie mit 4 Personen ohne Elektroauto benötigt demnach ca. 4000 kWh, eine PV-Anlage mit ca. 4 kWp und einen Batteriespeicher von 4 kWh. Je nach Verfügbarkeit würde man sich für eine PV-Anlage mit 5 kWp Leistung und 5 kWh Batteriekapazität entscheiden, sollte das Ziel eine möglichst zügige Amortisation der Investition sein. Wogegen eine höhere Stromautarkie größere Anlagenleistung und -kapazität erfordert.
  • Ein E-Auto mit einer Fahrleitung von 10.000 km pro Jahr würde die PV-Anlage um 2 kWp auf eine installierte Leistung von 7 kWp erhöhen.
  • Bei der Wirtschaftlichkeit von zusätzlichen Investitionen können Einsparungen aus Direktverbrauch, vermiedenen Treibstoff- und Heizenergiekosten sowie Einnahmen aus dem Stromverkauf gegengerechnet werden.

Quellen

https://www.finanztip.de/photovoltaik/stromspeicher/
https://www.viessmann.de/de/wissen/technik-und-systeme/photovoltaik/stromspeicher.html
Piktogramme: https://www.flaticon.com/de/kostenlose-icons/piktogramme

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