Auswertung der Carsharing-Bedarfsforschung in der Gemeinde Tacherting

von | 20.10.2023

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

wir danken Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, an unserer Umfrage teilzunehmen. Das Ziel des Energiestammtischs und des Gemeinderats war, das Potenzial eines Carsharing-Modells in der Gemeinde Tacherting zu erforschen. Durch Ihre Teilnahme an dieser Umfrage erhielten wir wichtige Informationen darüber, wie viele Bürgerinnen und Bürger Interesse an einem Carsharing-Angebot haben und welche Anforderungen und Erwartungen bestehen. Diese Informationen helfen in Zukunft dabei, ein bedarfsoptimiertes Mobilitätsangebot bereitzustellen.

Es ist sinnvoll, das Mobilitätsangebot der Gemeinde regelmäßig zu überdenken, da neue Technologien und Mobilitätskonzepte unter Umständen einige Vorteile mit sich bringen. In Vaterstetten (20.000 Einwohner) liegt die Ersatzqote eines Carsharing-Modells beispielsweise 1:7 [Carsharing.de]. Das bedeutet, dass mit einem Carsharing-Fahrzeug sieben andere Fahrzeuge ersetzt werden können. Dadurch wird lokal die Infrastruktur entlastet und für alle Nutzerinnen und Nutzer werden die Mobilitätskosten gesenkt, da für sie die Anschaffungs-, Betriebs- und Instandhaltungskosten eines privat genutzten PKW entfallen. Im Folgenden finden Sie die Auflistung üblicher Buchungspreise von Carsharing-Fahrzeugen in der Region (Stand Juni 2023). Die Preise sind unter anderem abhängig vom Betreiberunternehmen, der Fahrzeugklasse und der Antriebsart.

Kleinwagen
9-Sitzer / Transporter
min.max.
Stundentarif2,50 €6,90 €
Tagespauschale25 €60 €
Wochenendpauschale49 €120 €
zzgl. Kilometerpauschale0,11 €0,25 €

Der Anteil der Zeit, in der private Fahrzeuge nicht genutzt werden, beträgt durchschnittlich 96 % [Friedrich und Hartl, S. 58]. Das heißt ein Fahrzeug, das sich über sieben Jahre im Eigentum befindet, wird in diesen sieben Jahren effektiv nur etwa 102 Tage genutzt. Sinnvoll ist ein Carsharing-Angebot also vor allem dann, wenn das Carsharing-Fahrzeug einen hohen Auslastungsgrad erzielt.

Teilnahme

Insgesamt haben sich 78 Bürgerinnen und Bürger an der Umfrage beteiligt. Die Einwohnerzahl der Gemeinde Tacherting beträgt 5775 (Stand 30. Juni 2023, Bayernportal). Dies entspricht einer Teilnehmerquote innerhalb der Gemeinde von 1,35 %. Diese mag zwar niedrig erscheinen. Wenn man aber bedenkt, dass das Thema „Carsharing“ aktuell wohl nur für wenige Einwohnerinnen und Einwohner relevant ist, liefert die Stichprobe trotzdem wertvolle Ergebnisse zur Einführung eines Carsharing-Modells in der Gemeinde.

Auswertung und Interpretation der Fragen

In der Bedarfsforschung hatten Teilnehmende die Möglichkeit, neun Fragen zu beantworten. Die Antwortstatistik soll Aufschlüsse über die Anzahl benötigter Carsharing-Fahrzeuge, die Fahrzeugklasse und Antriebsart, die Nutzungshäufigkeit und den optimalen Standort liefern.

1. Frage

Anzahl der Stimmen: 77

2. Frage

Anzahl der Stimmen: 77

Mit 19 Stimmen ist die Antwortmöglichkeit „Mehrmals pro Woche“ am häufigsten vertreten. Viele andere Teilnehmende gaben an, ein Carsharing-Fahrzeug mindestens einmal pro Monat zu benutzen, was für die Einführung eines Carsharing-Fahrzeugs spricht.

3. Frage

Anzahl der Stimmen: 76

Ziemlich eindeutig ist, dass sich die meisten Bürgerinnen und Bürger ein batterieelektrisches Fahrzeug wünschen. Für die Einführung eines Carsharing-Modells in der Gemeinde sollte allerdings berücksichtigt werden, dass für ein stationäres Carsharing-Fahrzeug mit Elektroantrieb auch eine Ladesäule erforderlich ist. Mit einem Carsharing-Fahrzeug mit Verbrennungsmotor könnten beispielsweise verschiedene Standorte in der Gemeinde nacheinander getestet und evaluiert werden, um die höchste Nachfrage zu ermitteln und die Auslastung des Fahrzeugs zu maximieren. Denn das nachhaltigste Fahrzeug ist nicht zwingend das mit dem geringsten CO₂-Ausstoß, sondern das, das am sinnvollsten eingesetzt wird. Auch wenn der CO₂-Ausstoß bei batterieelektrischen Fahrzeugen unter Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus in der Regel niedriger ist, als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor [Lienkamp]. In jedem Fall sollte ein Gebrauchtfahrzeug für die Nutzung in einem Carsharing-Modell bevorzugt werden.

4. Frage

Anzahl der Stimmen: 77

Aus der Verteilung der Antworten dieser Frage lassen sich die optimalen Fahrzeugklassen ableiten. Um den Bedarf zum Einkaufen oder für zeitlich begrenzte Erledigungen zu decken, würde beispielsweise ein geräumiger Klein- oder Kompaktwagen ausreichen. Für den Transport von Gütern oder Ausrüstung für berufliche oder private Projekte würde sich hingegen eher ein Transporter bzw. Van anbieten. Für alltägliche Fahrten zur Arbeit oder zur Schule ist ein Carsharing-Modell allerdings ungeeignet, da das Fahrzeug nur zu Stoßzeiten bewegt wird und eine gewöhnliche Fahrgemeinschaft vorteilhafter ist.

5. Frage

Anzahl der Stimmen: 78

Besonders hervorzuheben ist bei den Antworten dieser Frage die hohe Stimmzahl für Lengloh. Die Verteilung auf die anderen Ortschaften korreliert in etwa mit der Bevölkerungsverteilung in der Gemeinde.

6. Frage

Anzahl der Stimmen: 65

Nachträglich wurde erkannt, dass die zusätzliche Antwortmöglichkeit „Ich würde meine Absichten nicht ändern“ sinnvoll gewesen wäre, da durch das Nichtvorhandensein dieser Antwortmöglichkeit u.U. überproportional oft für „Ich würde auf den Kauf eines Zweitautos verzichten“ abgestimmt wurde. Da die Gesamtstimmzahl der Frage niedrig ausgefallen ist, hat das Nichtvorhandensein möglicherweise aber lediglich zu einer Enthaltung geführt. In letzterem Szenario hätte die Einführung eines Carsharing-Modells in der Gemeinde einen besonders positiven Effekt im Sinne der Nachhaltigkeit, da die Produktion und der Betrieb einiger Fahrzeuge verhindert werden könnte.

14 Teilnehmende würden sich ein kleineres Auto anschaffen, wenn ein Carsharing-Fahrzeug mit ausreichender Größe verfügbar wäre. 21 Bürgerinnen und Bürger würden ihr Zweitauto oder alle PKW verkaufen, wenn sie auf ein Carsharing-Fahrzeug zugreifen könnten. Dieses Potenzial würde die Anschaffung von etwa drei Carsharing-Fahrzeugen rechtfertigen.

7. Frage

Anzahl der Stimmen: 61

8. Frage

Anzahl der Stimmen: 75

Auch die Antwortverteilung dieser Frage sprechen dafür, dass ein geräumiger Klein- oder Kompaktwagen und ein Transporter bzw. Van die sinnvollsten Fahrzeugklassen für ein Carsharing-Fahrzeug in der Gemeinde sind.

9. Frage

Anzahl der Stimmen: 78

Auffällig ist in dieser Verteilung vor allem die niedrige Beteiligung junger Altersgruppen.

Kommentare

Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten am Ende der Umfrage die Möglichkeit, dem Energiestammtisch Fragen oder Anregungen mitzuteilen, die im Folgenden anonymisiert präsentiert werden. An dieser Stelle möchten wir uns für die Danksagungen, die Unterstützung und die Ideen bedanken.

  • Ich fände es gut, wenn sich ein passendes Carsharing Modell für die Gemeinde findet. Vielen Dank für euer Engagement!
  • Danke für die Initiative. Möchte ich gern unterstützen.
  • Cooles Sache! Ich hoffe das klappt!
  • Viel Erfolg für die Ausführung der Car-Sharing-Idee in unserer Gemeinde
  • Hallo, habt Ihr schon nachgefragt wie in Trostberg das Carsharingprojekt läuft? Warum nicht die Autohäuser der Gemeinde einbinden?
  • Mehr Stationen im Außenbezirk
  • Ich bin alleinstehend und wohne außerhalb von Tacherting. Daher muss ich ein Auto halten, obwohl ich es gar nicht mehr täglich benutze. Bei schönem Wetter benutze ich das E-Bike. Eine öffentliche Verkehrsverbindung zu mir habe ich bisher nicht gefunden. Sicher geht es vielen außerhalb von Ortschaften wohnenden Bürgern genauso. Carsharing würde uns das Leben erleichtern.
  • Ich habe sehr viel und gute Erfahrung mit dem Carsharing in München gemacht. Stattauto.de Dort fand ich besonders gut, dass verschiedene Fahrzeugklassen fast immer verfügbar waren. Entscheidend für den Erfolg sind meines Erachtens spontane Verfügbarkeiten. Auch zu Stoßzeiten wie an Wochenenden möchte ich mich darauf verlassen können, ein Auto zu bekommen ohne lange vorher reservieren zu müssen. Die Ausstattung sollte eine Anhängerkupplung umfassen, um möglichst flexibel zu sein. Keinen Wert lege ich auf teure, vermeintlich qualitative Markenautos. Also keine Deutschen Hersteller. Lieber mehrere kostengünstige effiziente Autos im Fuhrpark, die sich schneller reinvestieren, günstigere Reparaturen… Lieber zwei Hyundai i20 als ein VW Polo. Elektroautos fände ich sehr gut, um Erfahrung zu sammeln und die Akzeptanz alternativer Antriebe zu vergrößern. Allerdings sehe ich die Investitionskosten dafür zu hoch an. Lieber 3 Benziner als ein Elektroauto mit Ladesäule. Geringe Schäden sollten toleriert werden. Bei Stattauto.de hatten die Fahrzeuge wegen der Tiefgaragen sehr oft kleinere äußerliche Schäden. Kratzer, Dellen müssen meines Erachtens nicht immer repariert werden. Schäden müssen natürlich immer gemeldet werden. Auffällige Fahrer, die viele Schäden erzeugen, sollten natürlich gekündigt werden können, oder finanziell an der Behebung beteiligt werden. Vielen Dank für euren Einsatz und eure Bemühungen.
  • Carsharing, unbedingt einführen.
  • In Peterskirchen, sollte ein Fahrzeug Carsharing sein. Wir sind bald 4 Leute, die einen Führerschein haben und brauchen theoretisch 4 Autos, wobei dann min. immer 1 bis 2 ungenutzt herumstehen würden.
  • Danke
  • Die Überlegung ist auf die Anschaffung eines Dritt-Fahrzeugs zu verzichten.
  • Ich finde es unheimlich schade, dass bis dato „so wenig“ an der Umfrage teilgenommen haben. Tolle Sache!!!
  • Zur Nutzungshäufigkeit kann ich derzeit leider keine genaue Auskunft geben. Wir sind beide noch berufstätig und haben zwangsweise zwei Autos. Der Verkauf des Kleineren wäre momentan nicht sehr lukrativ. Carsharing, ist eine sehr, sehr gute Idee!
  • Für Pendler zum Arbeitsplatz ist ein Carsharing-Angebot m. E. keine Option mangels geeignetem ÖPNV-Angebot. Wer nicht oder nicht mehr berufstätig ist könnte mit einem Carsharing-Angebot ohne eigenes Fahrzeug auskommen. Ein vorhandenes Kfz würde ich so lange nutzen wollen wie es betriebsbereit ist und dann von einer Neuanschaffung absehen.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

Lösungsvorschläge

  • Carsharing über Dienstleister einführen
    • Vorhersehbare Kosten
    • Geringer Verwaltungsaufwand
    • mikar, überall GmbH, (DB Flinkster)
  • Carsharing durch Verein
    • Car-sharing Traunstein
    • Ameranger Autogemeinschaft
    • Bad Endorfer Autoteiler
  • Carsharing durch Privatvermietung

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