Tacherting teilt sich ein E-Auto

von | 01.11.2025

Ein privater PKW steht durchschnittlich 96 % seiner Zeit ungenutzt herum. Ein ineffizienter Einsatz von Ressourcen, Platz und Kapital, der in vielen Haushalten durch ein Zweit- oder sogar Drittauto potenziert wird. Genau hier setzt die Idee des Carsharings an – Mobilität bedarfsgerecht nutzen, anstatt ein eigenes Fahrzeug zu besitzen. In Tacherting ist dieses Konzept seit Kurzem Realität – und zwar als ein Vorzeigeprojekt, das von bürgerschaftlichem Engagement angetrieben und durch eine symbiotische Partnerschaft zwischen der Gemeinde Tacherting und dem Autohaus Schlögl realisiert wurde.

Vom Bedarf zur Realität: Ein Projekt von Bürgern für Bürger

Eine umfassende Bedarfsanalyse, die vom Energiestammtisch Tacherting durchgeführt wurde, sollte klären, ob es überhaupt Interesse an einem geteilten Auto in unserer Gemeinde gibt. Die Antwort der 78 teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger war eindeutig. Der Wunsch, auf den Kauf eines Zweitautos zu verzichten oder das vorhandene abzuschaffen, war groß. Ebenso klar war die Präferenz für die Antriebsart: Es sollte ein Elektroauto sein. Die Kommentare aus der Umfrage zeigten, wie konkret der Bedarf ist. Vom Wunsch nach einer Anhängerkupplung für mehr Flexibilität bis hin zum Bedürfnis nach spontaner Verfügbarkeit für den Wocheneinkauf. Das Ergebnis dieses Prozesses steht nun am Rathaus bereit. Der VW ID.4 erfüllt mit seiner Antriebsart, Größe, der Anhängerkupplung und seiner sonstigen Ausstattung genau die in der Umfrage geäußerten Wünsche nach Flexibilität.

Die perfekte Synergie – E-Auto trifft Solarstrom

Geladen wird das Auto direkt vor Ort mit sauberem Strom vom eigenen Photovoltaik-Carport neben dem Rathaus. Damit schließt sich in Tacherting ein wichtiger Kreislauf:

  1. Lokale, erneuerbare Energieerzeugung durch die Sonne.
  2. Direkter Eigenverbrauch des Solarstroms zum Laden des E-Autos.
  3. Emissionsfreie Mobilität für die gesamte Dorfgemeinschaft.

Das Fahrzeug fährt also nicht nur bilanziell mit Ökostrom, sondern ganz konkret mit lokal erzeugter Sonnenenergie. Effizienter und nachhaltiger lässt sich Elektromobilität auf kommunaler Ebene kaum umsetzen.

Mehr als nur ein Auto weniger

Ein Carsharing-Fahrzeug kann bis zu sieben private PKW ersetzen. Für Tacherting bedeutet das konkret: weniger parkende Autos im öffentlichen Raum, eine geringere Belastung der Infrastruktur und eine spürbare finanzielle Entlastung für alle, die auf ein selten genutztes Zweitauto verzichten können. Die Kosten für Anschaffung, Versicherung, Wartung und Wertverlust entfallen und werden durch ein faires, nutzungsbasiertes Tarifmodell ersetzt.

So einfach nutzen Sie das Carsharing in Tacherting

Der gesamte Prozess von der Anmeldung bis zum Losfahren ist darauf ausgelegt, möglichst unkompliziert zu sein. So funktioniert’s:

1. Die App als Ihr Cockpit: Registrierung und Freischaltung

Alles beginnt mit der kostenlosen MOQO App, die Sie im App Store oder bei Google Play finden. Nach dem Herunterladen legen Sie ein persönliches Profil an. Ein wichtiger Schritt ist die Validierung Ihres Führerscheins, die in regelmäßigen Zeitabständen wiederholt werden muss. Halten Sie Ihren Führerschein bereit und folgen Sie den Anweisungen in der App. Die Freischaltung erfolgt innerhalb von zwei bis drei Werktagen. Es ist also zu empfehlen, die Validierung nicht erst fünf Minuten vor der geplanten Fahrt durchzuführen.

2. Buchen und Öffnen – ganz ohne Schlüssel

Ist Ihr Account freigeschaltet, können Sie das Fahrzeug jederzeit buchen – auch spontan bis zu 15 Minuten vor Fahrtantritt. In der App sehen Sie, ob das Auto verfügbar ist und können den gewünschten Zeitraum reservieren. Wenn Ihre Buchung beginnt, wird in der App der digitale Schlüssel freigeschaltet. Sie öffnen das Auto dann ganz einfach per Bluetooth. Das hat den großen Vorteil, dass Sie auch in der Tiefgarage oder in Gebieten mit schlechtem Handyempfang keine Probleme beim Öffnen oder Schließen haben.

3. Fahren, Laden und Zurückgeben

Nach dem Öffnen können Sie einsteigen und losfahren. Sollte unterwegs der Strom knapp werden, liegt im Handschuhfach eine Ladekarte bereit, mit der an über 40.000 Ladepunkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz geladen werden kann. Am Ende Ihrer Fahrt bringen Sie den VW ID.4 einfach wieder zum reservierten Parkplatz am Rathaus zurück und schließen ihn wieder an die Ladesäule an. So stellen Sie sicher, dass der nächste Nutzer ein fahrbereites Fahrzeug vorfindet und der Wagen direkt wieder mit Sonnenstrom vom Carport-Dach geladen werden kann.

Energietipp

Rechnen Sie nach: Wie oft nutzen Sie Ihr Zweitauto wirklich und was kostet es Sie im Jahr (Anschaffung, Versicherung, Steuer, Wartung, Wertverlust)? Testen Sie das Carsharing-Angebot für einige Ihrer typischen Fahrten. Vielleicht stellen Sie fest, dass geteilte Mobilität nicht nur nachhaltiger, sondern auch wirtschaftlich die clevere Alternative für Ihren Haushalt ist.

Quellen

[1] Autohaus Schlögl, “Car-Sharing in Tacherting und Traunreut”, https://www.schloegl.de/car-sharing-traunreut-emertsham/, Zugriff: 28.09.2025
[2] Gemeinde Tacherting, “Carsharing in Tacherting”, https://www.tacherting.de/carsharing-in-tacherting, Zugriff: 28.09.2025

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