Maßnahmen zur Senkung des Endenergieverbrauchs im eigenen Reihen-Eckhaus

von | 24.07.2025

Der Klimawandel ist keine plötzliche Erscheinung, sondern kündigt sich seit vielen Jahrzehnten an. Auch wenn die fundierte Datenlage insbesondere in früheren Jahren eher dürftig war, sprechen viele Entwicklungen für einen Zustand, der nicht ignoriert werden darf. Ein Worst-Case-Szenario bereitet Angst und Panik und ist ein schlechter Ratgeber. Sinnvoller ist es, mit klarem Verstand und Verantwortungsbewusstsein zu handeln. Mein ökologischer Fußabdruck und der, meiner Familie ist – wie bei vielen in unserer Gesellschaft – zu groß. Daraus ergibt sich für mich eine klare Konsequenz: Ich muss selbst etwas tun, mich selbst bei der Nase fassen, anstatt auf andere oder gar auf den Staat zu warten.

Grundhaltung und Motivation

Wir haben uns in der Familie intensiv mit dem Thema Energieverbrauch und Nachhaltigkeit beschäftigt. Dabei haben sich folgende Grundsätze herauskristallisiert:
Sparpotenziale lassen sich durch besonnenes Analysieren schnell erkennen. Eine gut überlegte Umsetzung wird wenig oder gar kein Geld kosten. Ein bewusster Umgang mit der Heizung, dem eigenen Fahrverhalten und der Urlaubsplanung kann dabei schon viel bewirken. Zwar spielt Wirtschaftlichkeit eine wichtige Rolle, doch sollte sie nicht das alleinige Kriterium sein – manchmal ist es notwendig, über den rein wirtschaftlichen Schatten zu springen. In diesem Zusammenhang erweist sich die sogenannte 80 %-Regel als sinnvoller Ansatz: Statt Perfektion anzustreben, stehen wirksame und praktikable Maßnahmen im Vordergrund. Wichtig ist es auch, durch eigenes Handeln ein Vorbild zu sein, anstatt andere mit Vorschriften zu überziehen. Werden Erfolge dokumentiert, können sie nicht nur Freude bereiten, sondern auch eine wichtige Quelle der Motivation sein. Entscheidend ist, dass Maßnahmen aus Überzeugung und mit Freude umgesetzt werden – nicht durch Zwang oder Verzicht. Viele dieser Schritte lohnen sich auch, unabhängig von staatlicher Förderung.

Das Haus – Bestandsaufnahme und Verbesserungen

Bei dem Objekt handelt es sich um ein Reihen-Eckhaus aus dem Baujahr 1980, gelegen in Garching. Im ursprünglichen Zustand verfügte das Haus über eine 60 mm starke Styropor-Außenwanddämmung sowie eine Ölheizung mit klassischen Heizkörpern.

Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Maßnahmen zur energetischen Optimierung und baulichen Verbesserung umgesetzt. Im Bereich Warmwasser und Heizung wurde die Warmwasserzirkulation vom Dauerbetrieb auf eine bedarfsgesteuerte Steuerung umgestellt, was eine Einsparung von etwa 1,1 Litern Heizöl pro Tag ermöglichte. Zudem kam in der Küche ein Untertischspeicher zum Einsatz, um nur gezielte, geringe Mengen Wasser zu erwärmen. Die passive Nutzung von Sonnenenergie wurde durch den Anbau eines kleinen Wintergartens unterstützt, der zur Erwärmung des Wohnraums beiträgt. Darüber hinaus wurde das Treppenhaus baulich vom Wohnbereich abgetrennt, die Beheizung auf tatsächlich genutzte Räume beschränkt und die Raumtemperatur gesenkt. Durch das Tragen wärmerer Kleidung kann die niedrigere Raumtemperatur angenehm ausgeglichen werden. Weitere Einsparmaßnahmen wurden durch neue Elektrogeräte (Kühlschrank, Gefrierschrank) und die Beleuchtungsumrüstung auf LED realisiert.
Auch an der Gebäudehülle und der Haustechnik wurde intensiv gearbeitet. Der Dachboden wurde mit 12 bis 14 cm Unterdachdämmung versehen und zwischen 2004 und 2009 teilweise ausgebaut, inklusive eines Versuches mit Wandheizung. Im Wohnbereich wurde schließlich eine Wandheizung in Trockenbauweise mit Fermacellplatten und integriertem Heizrohr nachgerüstet, was eine Reduzierung der Vorlauftemperatur auf 40 bis 48 °C ermöglichte. Im Jahr 2010 erfolgte der Austausch der alten Fenster gegen moderne 3-fach-verglaste Fenster sowie der Einbau einer neuen Haustür. Die Fassadendämmung wurde 2022 auf insgesamt 22 cm erweitert.
Ein bedeutender Meilenstein war der Austausch der alten Heizanlage im Jahr 2008. Die neue Anlage besteht aus einer 12 m² großen thermischen Solaranlage, einem 1000 l Pufferspeicher, einer Frischwasserstation sowie einem modernen Heizöl-Brennwertkessel mit solarer Heizungsunterstützung. Die Regelung der Vorlauftemperatur erfolgt dabei anhand der Raumtemperatur im Wohnzimmer als Führungsgröße.
Im Jahr 2023 wurde schließlich eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 7,1 kWp und einem 5,5 kWh-Speicher installiert. Durch die Teilnahme an der Sonnen-Community steht dem Haushalt ein jährliches Freikontingent von rund 700 kWh zur Verfügung, was zusätzlich zur Eigenversorgung auch einen Beitrag zur Netzstabilisierung leistet.
Durch all diese Maßnahmen konnte der Endenergieverbrauch (Strom + Heizöl) um mehr als 60% gesenkt werden.

Fazit

Es ist nie zu spät, etwas zu verändern. Einfach Schritt für Schritt die erkannten Schwachpunkte nach Priorität und finanzieller Möglichkeit abarbeiten. Die 80%-Regel hat sich für uns bewährt: Wir müssen nicht alles perfekt machen, sondern mit Verstand und Maß umsetzen, was möglich ist. Es gibt zahlreiche kleine Maßnahmen, deren Wirkung sich nicht immer exakt messen lässt – aber in Summe machen sie den Unterschied. Die größte Veränderung beginnt im Kopf. Wer sich ernsthaft mit seinem Energieverbrauch auseinandersetzt, wird viele kreative und lohnende Möglichkeiten finden, etwas zu verbessern. Viel Spaß bei neuen Ideen, viel Mut zur Veränderung – und Freude über jeden Fortschritt!

Energietipp

Für den Überblick den eigenen ökologischen Fußabdruck bestimmen (WWF-Klimarechner). Dann die Schwachpunkte im eigenen Umfeld erkennen und Verbesserungen Schritt für Schritt realisieren.

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