Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) dient dazu, die energetische Situation eines Gebäudes ganzheitlich zu erfassen und daraus eine technisch sinnvolle sowie wirtschaftlich tragfähige Modernisierungsstrategie zu erarbeiten. Grundlage hierfür sind ein digitales Gebäudemodell, die vorhandenen Randbedingungen und Einschränkungen sowie die Analyse des tatsächlichen Energieverbrauchs.
Der iSFP ermöglicht eine Bewertung des energetischen Zustands eines Gebäudes im Vergleich zu den aktuellen gesetzlichen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Gleichzeitig werden mögliche Sanierungsmaßnahmen hinsichtlich ihrer energetischen Wirkung, ihrer Kosten und verfügbarer Förderungen bewertet. Durch die schrittweise Betrachtung einzelner Maßnahmen kann eine logische und wirtschaftliche Reihenfolge der Modernisierung festgelegt werden.
Beim vorgestellten Beispiel handelt es sich um ein Wohngebäude mit vollunterkellertem Aufbau (KG, EG, OG und DG) und einer Wohnfläche von rund 658 m², das in 8 Wohnungen aufgeteilt ist. Es wurde ein Gebäudemodell erstellt, energetisch bewertet und anschließend auf Basis der vorhandenen Verbrauchsdaten mit den Berechnungsergebnissen verglichen. Da die Abweichungen zwischen Berechnung und Realität ungewöhnlich groß waren, hat sich nach Befragung der Bewohner herausgestellt, dass einige Wohnungen alternativ mit Holzöfen beheizt wurden. Durch die Miteinbeziehung des Brennholzverbrauchs und der Klimafaktoren waren dann Berechnung und Realität in einem akzeptablen Bereich.
Aus der Analyse ergeben sich verschiedene Maßnahmen an der Gebäudehülle. Dazu zählen der Austausch der Fenster und Außentüren, die Dämmung von Dach, Fassade und Kellerdecke sowie die Reduzierung vorhandener Wärmebrücken. Sämtliche Maßnahmen orientieren sich an den Mindestanforderungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).
Die bestehende Ölheizung arbeitet derzeit noch weitgehend störungsfrei. Im Rahmen des iSFP wird jedoch perspektivisch der Ersatz durch zwei Wärmepumpen – eine für die Raumheizung und eine für die Warmwasserbereitung – betrachtet. Vor einer Entscheidung über den Heizungsersatz sollten jedoch mögliche regionale Wärmeversorgungsoptionen, etwa ein Anschluss an eine zukünftige Nah- oder Geothermieversorgung, sowie alternative Wärmequellen wie die Nutzung von Grundwasser geprüft werden. Ergänzend werden Maßnahmen zur Heizungsoptimierung, dezentrale Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung sowie die Installation einer Photovoltaikanlage mit etwa 26 kWp Leistung betrachtet.
Die Investitionskosten für die Maßnahmen an der Gebäudehülle werden auf rund 265.000 € geschätzt. Für die Anlagentechnik einschließlich Wärmepumpen, Heizungsoptimierung und Lüftungsanlagen ergeben sich Kosten von etwa 160.000 € (ohne Photovoltaik). Demgegenüber stehen nach derzeitigem Stand attraktive Fördermöglichkeiten. Durch den iSFP erhöht sich die förderfähige Investitionssumme für Maßnahmen an der Gebäudehülle auf bis zu 60.000 € je Wohneinheit, zusätzlich wird ein iSFP-Bonus von 5 % gewährt. Für den Heizungstausch stehen weitere Fördermittel über die KfW zur Verfügung, wobei für selbstnutzende Eigentümer zusätzliche Boni möglich sind.
Der individuelle Sanierungsfahrplan stellt damit keine Verpflichtung zur sofortigen Umsetzung aller Maßnahmen dar, sondern bildet vielmehr einen langfristigen Leitfaden für eine schrittweise Modernisierung. Er schafft Transparenz über den energetischen Zustand des Gebäudes, unterstützt bei Investitionsentscheidungen und ermöglicht die optimale Nutzung der verfügbaren Förderprogramme.
Energietipp
Wer eine umfassende Sanierung eines Bestandsgebäudes plant, sollte einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) in Betracht ziehen. Damit lassen sich notwendige Einzelmaßnahmen über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren strukturiert planen, die sukzessive abgearbeitet werden können. Zusätzlich profitieren Eigentümerinnen und Eigentümer bei förderfähigen Maßnahmen von einem Förderbonus von aktuell 5 %.


