Ferienprogramm des Energiestammtischs Tacherting führt zur Agri-PV-Anlage vom Bauern z’Edt

von | 30.08.2026

Sonne, Landwirtschaft und jede Menge Technik

Ferienprogramm des Energiestammtischs Tacherting führt zur Agri-PV-Anlage

Nach fünf Jahren stand beim Ferienprogramm des Energiestammtischs Tacherting wieder die Photovoltaik im Mittelpunkt. Diesmal ging es allerdings nicht nur um Strom aus Sonnenlicht: Bei einem Besuch der Agri-PV-Anlage beim Bauern z’Edt konnten die Kinder erleben, wie sich Landwirtschaft, erneuerbare Energie, Digitalisierung und Nachhaltigkeit miteinander verbinden lassen.

Auf seinem Biohof nahm Franz Obermayer, Vorstand der Fox Group, die jungen Besucher und ihre Begleiter mit auf eine abwechslungsreiche Entdeckungstour. An zahlreichen Stationen zeigte er anschaulich, dass viele Ideen aus der digitalen Welt auch auf die Landwirtschaft übertragbar sind – und umgekehrt. Dabei wurde deutlich: Nachhaltigkeit kann nicht nur ökologisch sinnvoll sein, sondern zugleich wirtschaftliche und soziale Vorteile bieten.

Ein anschauliches Beispiel lieferte Obermayer gleich zu Beginn: Seine Firmenfahrzeuge benötigen einen Unterstand – warum also nicht gleichzeitig dessen Dach zur Stromerzeugung nutzen? Die dort installierte Photovoltaikanlage liefert Sonnenstrom für sein Elektroauto. So kann er beispielsweise am Montag mit selbst erzeugtem Solarstrom zu seiner Dienstreise nach Berlin starten.

Auch auf dem Weg zur Agri-PV-Anlage gab es für die Kinder viel zu entdecken. Obermayer erklärte, warum ein frisch abgeerntetes Getreidefeld möglichst schnell wieder begrünt werden sollte. Eine Zwischenfrucht schützt den Boden vor Erosion, bindet Nährstoffe und kann durch Stickstoffbindung dazu beitragen, den Einsatz von Kunstdünger zu reduzieren.

Dann war die Neugier der Kinder gefragt: Welche Vor- und Nachteile haben die senkrecht aufgeständerten Solarmodule der Agri-PV-Anlage? Gemeinsam wurde herausgearbeitet, dass auf derselben Fläche gleichzeitig Getreide angebaut und Solarstrom erzeugt werden kann. Obermayer ergänzte weitere Besonderheiten der Anlage: Die beidseitig aktiven Solarmodule können auch von der Rückseite Sonnenlicht aufnehmen. Durch die senkrechte Ausrichtung verteilt sich die Stromproduktion zudem anders über den Tagesverlauf als bei herkömmlich geneigten Modulen.

Und noch einen unerwarteten Nebeneffekt entdeckten die Besucher beim vorbeifahrenden Güterzug: Die Modulreihen wirken gleichzeitig als zusätzlicher Schallschutz gegenüber der benachbarten Bahnstrecke. Außerdem dienen sie Falken als beliebte Aussichtspunkte – von dort aus können die Greifvögel beispielsweise auf Taubenjagd gehen.

Besonders spannend wurde es beim Blick auf den hofeigenen Stromspeicher und das Energiemanagement. Obermayer zeigte, welche Möglichkeiten moderne IT bietet, um den eigenen Solarstrom möglichst effizient auf dem Hof zu nutzen. Gleichzeitig kann überschüssiger Strom gezielt vermarktet werden. Dass dabei auch der Zeitpunkt eine Rolle spielt, wurde an einem praktischen Beispiel deutlich: Während der Fußball-Weltmeisterschaft konnten aufgrund der höheren Nachfrage teilweise besonders gute Strompreise während Deutschlandspielen erzielt werden.

Doch der Hof in Edt hatte noch weit mehr zu bieten als Photovoltaik und Energiemanagement. Auf dem Weg zur hofeigenen Kapelle und zum Museum staunten die Kinder über eine mit Solarstrom betriebene „Bio-Sauna“. Für Heiterkeit sorgte auch der Hühner-Tunnel, der den Bauerngarten mit dem Hühnerstall verbindet. Durch ein trittfestes Schaufenster konnten die jungen Besucher den regen „Hühnerverkehr“ beobachten.

Im Bauernmuseum ging es anschließend weit zurück in die Vergangenheit. Anhand verschiedener Exponate konnten die Kinder nachvollziehen, wie stark sich die Erträge im Getreideanbau zwischen 1950 und 2020 verändert haben. Auch die Größe der früher benötigten Vorratsbehälter erzählte eine Geschichte: Ein großes und ein kleines Krautfass machten anschaulich, welche Mengen an Lebensmitteln früher benötigt wurden, um nach dem Zweiten Weltkrieg beispielsweise auch bis zu 30 Flüchtlinge mitzuversorgen.

Zum Abschluss der Hofbesichtigung wartete noch die mit PV-Strom betriebene historische Mühle. Die verschiedenen Siebe und ihre Funktionen konnten bestaunt werden – und natürlich durfte auch ein Rundgang durch die Mühle mit ihrem ganz eigenen, wunderbar aromatischen Duft nicht fehlen. Die Gruppe unter Leitung von Petra Blum bedankte sich bei Franz Obermayer mit einer Flasche Bio-Wein.

Zurück in Tacherting wurde schließlich selbst Hand angelegt: Die Kinder bauten ihr eigenes solarbetriebenes Rennauto. Während der Bauphasen konnten Wartezeiten bei einer Runde Tischtennis oder Corn Hole oder dem Inspizieren eines ausgedienten PV-Moduls und Wechselrichter kurzweilig überbrückt werden. Zum Abschluss gab ein Rennen zwischen 20 Solarautos.

So wurde aus dem Ferienprogrammtag weit mehr als ein Ausflug zu einer Photovoltaikanlage: Die Kinder konnten erleben, wie Sonne, Landwirtschaft, Technik, Digitalisierung und nachhaltiges Wirtschaften zusammenpassen – anschaulich, praktisch und mit viel Spaß. Und vielleicht hat der eine oder andere dabei auch entdeckt, dass Energie nicht nur auf großen Feldern und Dächern stattfindet, sondern direkt vor der eigenen Haustür beginnen kann.

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