Erdgas Brennstoffzelle

von | 27.04.2026

Erfahrungsbericht – Fünf Jahre fossile Technologieoffenheit

Nach fast fünf Jahren bewusst gewählter „fossiler Technologie-Offenheit“ ist für mich der Zeitpunkt gekommen, ein Fazit zu ziehen. Anlass ist meine damalige Entscheidung, unsere Ölheizung durch eine erdgasbasierte Brennstoffzelle zu ersetzen.

Die Idee dahinter war durchaus überzeugend. Erdgas wird zunächst thermisch in einem Reformer in Wasserstoff, Kohlendioxid und Kondenswasser umgewandelt. Die dabei entstehende Niedertemperatur-Wärme nutzen wir für die Raumheizung, während aus dem erzeugten Wasserstoff gemeinsam mit Luftsauerstoff elektrischer Strom entsteht. Ein System also, das Wärme und Strom kombiniert bereitstellt.

Die Wahl fiel seinerzeit aus mehreren praktischen Gründen auf Erdgas. Unsere alten Heizöltanks sorgten für eine erhebliche Geruchsbelästigung im Treppenhaus, die regelmäßigen Heizölkäufe waren lästig, und nicht zuletzt wurde unsere Straße im Zuge der Sanierung mit einer Erdgasleitung erschlossen. Gleichzeitig wollte ich das eingesetzte Gas nicht schlicht in Wärme „verheizen“, sondern möglichst effizient nutzen. Zur Auswahl standen daher ein Gasmotor-BHKW, ein Mikrogasturbinen-BHKW, eine Wärmepumpe sowie ein Brennstoffzellen-BHKW.

Unsere Entscheidung war dabei keineswegs technologie-skeptisch – im Gegenteil. Als frühe Anwender haben wir bereits sehr gute Erfahrungen gemacht, etwa mit der Installation einer der ersten EEG-Photovoltaikanlagen in Tacherting im Jahr 2000 (die Wechselrichter laufen noch heute) sowie mit dem Kauf eines der ersten in Deutschland zugelassenen Tesla Model 3 im März Jahr 2019.

Die Wärmepumpe wurde uns damals – unter anderem aufgrund der großen Wohnfläche – eher nicht empfohlen. Zudem verfolgte ich das Ziel, in Kombination mit PV-Anlage und trotz E-Auto einen möglichst hohen Grad an Stromautarkie zu erreichen. Ein Gasmotor schied wegen seiner mechanischen und thermischen Belastung sowie des vergleichsweise geringen Wirkungsgrades aus. Die Mikrogasturbine war technisch interessant, überzeugte jedoch mit einem Wirkungsgrad von lediglich rund 15 % nicht. So fiel die Entscheidung letztlich zugunsten der Brennstoffzelle – auch begünstigt durch attraktive Förderbedingungen und eine in Aussicht gestellte CO₂-Einsparung von etwa 30 % – ergänzt durch eine Erdgastherme als Backup .

Ende Oktober 2020 ging die Anlage in Betrieb und lief zunächst bis April 2023 zuverlässig. Die Stromautarkie über das Jahr lag sogar bei 97 %. Danach folgte jedoch eine längere Ausfallphase bis September 2024. Ein kurzer erneuter Betrieb von rund 20 Tagen wurde abermals durch einen Defekt beendet, bevor die Anlage erst im Oktober 2025 wieder ans Netz ging. Seit dem 17.12.2025 steht sie erneut still.

Ursache ist ein von Beginn an bestehender Entwicklungsfehler im Kondensatsystem, der inzwischen bereits zweimal nachgebessert wurde. Zusätzlich erschwerte die Unternehmensentwicklung des Herstellers die Situation. Während die Wärmepumpensparte an ein amerikanisches Unternehmen verkauft wurde, verblieb die Brennstoffzellentechnologie mit reduzierten Ressourcen im ursprünglichen Unternehmen.

Die Bilanz fällt entsprechend nüchtern aus. Von insgesamt 1.876 möglichen Betriebstagen war die Anlage lediglich 1.001 Tage in Betrieb – eine Auslastung von rund 53 %. Vor diesem Hintergrund prüfen wir aktuell, ob wir das System aufgrund eines versteckten Mangels zurückbauen lassen und stattdessen auf eine Wärmepumpe umsteigen.

Mein persönliches Fazit aus dieser Erfahrung ist klar. Eine echte „fossile Technologie-Offenheit“ existiert in der Praxis kaum. Alles, was über einfache, konventionelle Systeme wie ineffiziente Öl- oder Gasthermen hinausgeht und weiterhin auf fossilen Brennstoffen basiert, führt häufig zu mehr technischer Komplexität, höherer Störanfälligkeit, zusätzlichem Backup-Bedarf – bei gleichzeitig begrenzter CO₂-Reduktion und fortbestehender Abhängigkeit vom Brennstoff.

Energietipp

Die beste Effizienz entsteht nicht durch immer mehr Technik, sondern durch den Wechsel zur richtigen Energiequelle. Weniger Komplexität bedeutet oft mehr Zuverlässigkeit und echte Unabhängigkeit.

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